Interview mit Adrian Zwingli, CEO@SwissQ

Herr Zwingli, in Ihrer Keynote referenzieren Sie sich auf den publizierten Leitartikel im Harvard Business Review (HBR) mit dem Titel ‚Embracing Agile’. Wann genau sind Sie persönlich mit dem Thema Agilität in Verbindung gekommen?

Der erste Berührungspunkt war 2003 während meiner Tätigkeit für ein amerikanisches Technologie-Unternehmen. Damals ging es eher um agile Teams und agile Softwareentwicklung. Ab 2008 war es ein Thema für SwissQ und ab 2010 haben wir uns mit agilen Organisationen befasst. Unser Unternehmen SwissQ ist selbst auch als agile Organisation definiert. So arbeiten wir auf Geschäftsleitungsebene auch mit Iterationen, Planning-Sessions, Retros und anderen agilen Praktiken. Als Unternehmen sind wir in Zünften organisiert, welche als agile Teams agieren und z.B. auch einmal im Quartal ein Big Room Planning durchführen.

 

Kann Ihrer Meinung nach Agilität in allen Bereichen eingeführt werden und ‚muss’ sie das vielleicht sogar?

Vorab: Agilität hat verschiedene Dimensionen und wird oft unterschiedlich interpretiert. Im Englischen ist dies bereits durch die Gross- Kleinschreibung angedeutet: „Agile“ (doing Agile) und „agile“ (being agile). Dann geht es über Organisationstrukturen, Kultur, Führungsverhalten, Prozesse bis hin zu Tools. Entsprechend müsste vorab wohl geklärt werden, welcher Teil von Agilität gemeint ist und welcher Nutzen erwartet wird.

Bezüglich „Muss“ ist es eine relative einfache Antwort. Einigen Wirtschaftsbereichen sind erheblichen Verwerfungen unterworfen. Diese Unternehmen haben wohl keine Wahl, moderner zu arbeiten als in der Vergangenheit. Agilität wird da ein Kernelement darstellen. Jedoch nicht nur in der Softwareentwicklung, sondern im ganzen Unternehmen.

In anderen Wirtschaftsbereichen ist der Druck nicht so stark. Agilität kann hier Wettbewerbsvorteile bringen, muss aber nicht. Agilität kommt oft mit Mehrkosten und, zumindest in der Umstellungsphase, mit erhöhter Komplexität. Eine Entscheidung sollte bewusst und mit offenen Augen gefällt werden. Sprich die Möglichkeiten (z.B. Arbeitnehmerattraktivität) und Risiken (Lähmung des Unternehmens durch Paradigmenwechsel) sollten nicht ignoriert werden.

 

Was sind entscheidende Erfolgsfaktoren um ein Unternehmen mit dem agilen Virus anzustecken und die Agilität auch erfolgreich zu implementieren?

Das Anstecken mit dem agilen Virus ist sehr Persona abhängig. Verbreitet sich die Agilität bottom-up, gibt es bei den Mitarbeitenden oft ein Aha-Erlebnis. Insbesondere die erhöhte Selbstverantwortung und die Möglichkeiten zur Mitbestimmung werden sehr geschätzt. Wobei die mit der Agilität einhergehende Transparenz nicht von allen goutiert wird. Rein verordnete Agilität ist gemäss unserer Erfahrung nicht ansteckend und die Mitarbeitenden haben Mühe mit der Umstellung. Bei den Führungskräften verhält es sich ähnlich. Viele sehen sich in ihrer Rolle in Frage gestellt, da Kontroll- und Machtverlust droht. Leadership und proaktive Begleitung sind da wichtige Schlüssel zum Erfolg.

 

Warum sollten unsere Teilnehmer Ihren Vortrag anhören?

Als Inspiration für die Veränderung deren Organisationen, aber auch wie sie an sich selbst arbeiten können, um ihre Organisation in die agile Zukunft führen zu können. Es wird in Zukunft noch mehr Leadership gefragt sein und wir als Führungskräfte müssen wissen, was in Zukunft von uns gefordert wird.

 

Zu guter Letzt: Was erwarten Sie persönlich vom Agile Leadership Day 2016?

Eine tolle und interessante Mischung an Teilnehmenden, welche sich zusammen aufmachen, um die Organisationen zu verändern und in die Zukunft zu treiben. Praxisbeispiele aus Schweizer Unternehmen, statt Theorie. Offene, ehrliche Worte, statt Power-Point Marketing. Und schlussendlich ein Netzwerk an Personen, die jeden Einzelnen weiterbringen können.

 

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